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Kennst du Schaumburg? Dies kennst du bestimmt noch nicht!
 


Wir möchten Euch hier Anregungen geben, auch in bereits Bekanntem noch Neues und Unbekanntes zu entdecken, viel Spaß dabei!
  


Vor 200 Millionen Jahren: Seeigel leben im Schaumburger Land

Hoch auf den Luhdener Klippen, im westlichen Wesertal, erhebt sich der Klippenturm.
Einige Steine seines südlichen Fundaments sind mit schwarzen Zahlen versehen, und der eine oder andere wird sich fragen, was es damit auf sich hat.
Die Lösung liegt in den kleinen gelben Schildern, auf denen ein Ammonit abgebildet ist.
Diese finden sich noch verstreut an ein paar Bäumen und markieren auf die „Geologischen Wanderwege“.
Auch am Klippenturm ist so ein Schild angebracht.
Die Zahlen am Fundament nun verweisen auf typische Gesteine des Schaumburger Landes.

Die Gesteine Nr. 1 und Nr. 6 gehören zur sogenannten Florigemma-Bank, der obersten Schicht des untersten Korallenoolith (Oberjura).
In ihnen sind vereinzelt kleine Stacheln des Paracidaris florigemma zu erkennen.
Die übrigen Steine zeigen Kalksteine (Nr. 2 und Nr. 4) und Gesteine der Unterkreide (Nr. 2, Nr. 5 und Nr. 7).
Nr. 2 enthält Fossilien von Muscheln; eine bräunliche Färbung verweist auf die Gegenwart von Eisen.




Hinterlassenschaften für eine (halbe) Ewigkeit

Sich verewigen, etwas von sich hinterlassen, eine Erinnerung schaffen: davon träumen doch Viele.
Den Schwur der ewigen Liebe an einem Baum zu hinterlassen, hat etwas Romantisches.
Leider schädigt es den Baum und ist daher verboten, verzichtet also bitte unbedingt darauf, selbst zu schnitzen.
Genauso faszinierend ist es aber, mal selbst auf die Suche zu gehen und nach Schnitzereien Ausschau zu halten.
Dabei kann man auch auf ganz ungewöhnliche Inschriften stoßen - wie die abgebildete im Klosterforst Loccum.
Was mag hier wohl passiert sein?


Verkehrsrowdys schon vor mehr als 100 Jahren

Laut polterten die schweren Hufen auf das holprige Kopfsteinpflaster, wenn sie Transportwagen hinter sich herzogen.
Durch die schmale Gasse an der Stadthäger Niedernstraße dürften wohl nur Handkarren gepasst haben - aber auch diese veranlassten die Bürger, ihre Hauswände vor Beschädigungen durch die großen Räder zu schützen.
Während auf der linken Seite einfache Sandsteine gesetzt wurden, kam rechter Hand eine gusseiserne Version zur Ausführung.
Auch Hauseingänge wurden auf diese Art und Weise geschützt, z.B. das Haus Am Markt 4.

 


Dem Nachbarn bloß keinen Dünger überlassen

Unterhalb der Schaumburg, links der kurvenreichen Straße, sind bald lange Hügelzüge zu erkennen.
Was hat es damit auf sich? Es handelt sich um mittelalterliche oder neuzeitliche Ackerformen, sogenannte Wölbäcker. Mit einem speziellen Pflug wendete der Bauer die Scholle stets zur Streifenmitte hin.
So blieb der eigene Dünger auf dem eigenen Streifen (der Bauer besaß an jedem Acker nur einige Streifen), und überschüssiges Wasser konnte zu den Seiten abfließen.
Wölbäcker blieben am besten unter Wald erhalten, seltener sind sie so gut unter Wiesen zu erkennen, wie hier.
Wölbäcker sind selten noch im Schaumburger Land zu finden - einfach mal genauer hinsehen!



Am Sonntag wird die Strafe abgestanden

Wer heutzutage gegen Gesetze verstößt, zahlt eine Geldstrafe, oder er muss eine gewisse Zeit in ein Gefängnis.
Da war man in den letzten Jahren deutlich einfallsreicher!
Wer sich zum Beispiel in der Öffentlichkeit schlecht benahm oder den Gottesdienst störte, der wurde einfach des Sonntags an den Pranger gestellt.
Schon Graf Otto IV störte sich daran, dass manche Zeitgenossen sonntags lieber in einer Gaststätte Branntwein tranken, als dem Pastor mit seiner Predigt zuzuhören.
1570 erließ er eine Verordnung, welche es verbot, sich am Sonntagvormittag zu betrinken.
In den Städten wurden Schandpfähle aufgestellt (einer ist im Museum in Bückeburg zu besichtigen), auf den Dörfern wurden die Pranger direkt an den Kirchen angebracht.
Das war praktisch, denn am Sonntag ging sowieso das gesamte Dorf in die Kirche und kam an dem Übeltäter vorbei.
Pranger sind noch in Petzen und in Sülbeck zu finden.


Höhlen - geheimnisvolle Zugänge zur Unterwelt

Hartnäckig hält sich das Gerücht, die ersten Menschen hätten in Höhlen gelebt.
Dabei sind Höhlen alles andere als ideale Wohnstätten: kalt, zugig, feucht und dunkel, und vor tausenden von Jahren auch beliebter Aufenthaltsort gefährlicher Tiere.
Faszinierend waren Höhlen dagegen schon immer - ein geheimnisvoller Zugang zur Unterwelt.
Entlang der Klippenzüge des Wesergebirges entstehen zunächst unterirdische Spaltenhöhlen, welche manchmal bis an die Oberfläche durchbrechen.
Leider sind die meisten Höhlen, z.B. das „Meumkenloch“ unterhalb der Paschenburg, nicht mehr zugänglich.
Die hier gezeigte Spaltenhöhle ist am besten über die Treppe zu finden, welche etwa 500 m westlich der Schaumburg auf den Oberberg führt.

 

 


Ein Bergfried trotzt vielerlei Beschüssen

Über die frühe Baugeschichte der Burg ist wenig bekannt, allerdings benannte sich der erste „Schaumburger“ Graf Adolf I nach ihr (obwohl er Graf von Holstein wurde und nicht Graf von Schaumburg!).
Nach der Teilung der Grafschaft 1647 fiel die Burg an die Landgrafschaft Hessen-Kassel, die sie als Amtssitz nutze.
Nachdem die Burg zunehmend verfallen war, kaufte sie Kaiser Wilhelm II mit seinen eigenen Mitteln dem Forstfiskus ab und schenkte sie Fürst Georg zu Schaumburg-Lippe und seiner Gemahlin im Jahre ihrer Silberhochzeit 1907.
Jetzt begann auch der Wiederaufbau der Burganlage, so wie wir sie heute sehen. Dabei wurde auch der „Dicke Turm“ wieder so hoch aufgemauert, wie er wohl einst gewesen war.
Ursprünglich war er als Torturm gebaut und der Weg auf die Hauptburg führte durch ihn hindurch.
Von Schrecken anderer Art zeugen die größeren Löcher an seiner Ostseite. Sie sind Zeugen der Gefechte, welche im Zuge des Zweiten Weltkrieges im Umfeld des Wesergebirges tobten.
Zum Glück konnten die Granattreffer dem Turm nichts weiter anhaben.

 


Sand - soweit das Auge reicht

Sand im Schaumburger Land? Eigentlich würde man diesen doch eher am Strand der Nordsee erwarten.
Genauer betrachtet stammen aber die Sande hier und dort aus einer ähnlichen Quelle: es waren die Gletscher der vorvorletzten und vorletzten Eiszeit (Elster- und Saaleglazial), welche diese Sande an ihrer Sohle vor sich herschoben oder in ihrem Eis eingeschlossen hatten und als Moränen, Sander und Kameszüge hinterließen.
Der Kameszug von Möllenbeck verdankt seine Entstehung den Eisvorstößen der Saaleeiszeit (etwa 200.000 Jahre vor heute), welche sich erst vor dem Wesergebirge stauten und schließlich die Gegend um Möllenbeck erreichten.
Als das Eis zu schmelzen begann, konnten die Schmelzwässer nicht ungehindert abfließen, da die südlich angrenzenden Bergzüge dies verhinderten.
Zwischen den restlichen Eismassen bildeten sich Seen, in denen sich die vom Schmelzwasser herangeführten Sande absetzen. Später, als sich die Weser wieder ihren Weg gebahnt hatte, schaffte diese weitere Sedimente, vor allem Kiese, herbei, die den Kieskörper von Möllenbeck aufbauen.
Weite Teile des Abbaugeländes sind aufgelassen und durch einen Wanderweg erschlossen. Auch ein Findlingsgarten befindet sich in der unmittelbaren Nähe.




… und ward nie mehr geseh’n

Der Steinkohlenbergbau im Schaumburger Land war über Jahrhunderte eine wichtige Einnahmequelle der Landesherrn und Arbeitsplatz hunderter Bergleute.
Heute bleiben nur noch die Hinterlassenschaften, ehemalige Stolleneingänge, Halden und wenige Gebäude, aber leider auch sogenannte Tagesbrüche, welche eine besondere Gefahr darstellen. 
Am Hohlweg, welcher direkt von Brandshof in den Wald führt, ist nach wenigen hundert Metern ein besonderes Exemplar zu finden: wie der Schlund zur Unterwelt reißt hier der Boden auf und gibt ein gähnend schwarzes Loch frei, welches unabsehbar in die Tiefe führt.
Am Ende des Hohlweges, linker Hand des Trampelpfades, lässt sich eine eingebrochene Strecke (so nennt der Bergmann einen unterirdischen Gang) verfolgen.
Solche Tagesbrüche finden sich heute noch an vielen Stellen des Waldes, unter dem vor Jahrzehnten die Kohle abgebaut worden ist. Sie sind nur schwer zu erkennen; wer einmal eingebrochen ist, kommt ohne fremde Hilfe nicht wieder heraus.
Vor einem Spaziergang quer durch den Wald kann daher nur gewarnt werden!


Zum Wegwerfen zu schade

Gebäude, welche in einer in Holz-Skelettbauweise errichtet werden, bezeichnet man als Fachwerkbauten.
Senkrechte Ständer und waagerechte Rähme und Balken stützen das Gebäude, vertikale Riegel unterteilen größere Wandbereiche in annähernd quadratische Flächen.
Während Fachwerkbauten in Süddeutschland vor allem durch ihre künstlerisch verbauten Hölzer auffallen, wurde in Norddeutschland viel (zuweilen bemaltes) Dekor verwendet.
Typisch sind u.a. Schnitzereien an den Balken (Zahnschnittfriese, Taubänder, Schiffskehlen usw.), im Weserraum die verschiedenen Rosettentypen und, in in der Spätrenaissance und im frühen Barock, die Brustplatten.
Besonders reich sind letztere am Haus Am Markt 21, Stadthagen, und die Häuser Brennerstraße 291 und Klosterstraße 9-10, Rinteln zu sehen.
Das Haus Klosterstraße 4 weist diesbezüglich eine Besonderheit auf: während sich drei Brustplatten in die Ständer-Riegel-Konstruktion einfügen, scheint die vierte, rechte Platte, ganz und gar nicht dazu zu passen.
Mit großer Wahrscheinlichkeit stammt sie von einem anderen Haus und wurde erst später hier eingebaut.
Das Ornament ist unvollständig; es ist allerdings unwahrscheinlich, dass die Platte abgeschnitten wurde.
Viel eher setzte sich das Ornament auf einem rechts anschließenden Ständer fort.
Dies war westlich der Weser durchaus üblich, wie zum Beispiel die Häuser Marktstraße 13 und die Dechanei in Höxter zeigen.


Künstliche Seenlandschaft als Paradies für Vögel

Das heutige schmale Bett der Weser darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser große Mittelgebirgsfluss einmal den gesamten Raum zwischen Wesergebirge und südlichem Bergland eingenommen hat.
Als nach den Eiszeiten zwar die Wassermassen wieder deutlich zugenommen hatten, aber noch wenig Vegetation vorhanden war, schlug der Fluss seine Bögen mal hier- und mal dorthin.
Ständig verlagerte sich der Verlauf des Flusses und damit auch die Stellen, an denen er seine Fracht, verschiedene Gesteine aus den Mittelgebirgen, ablagern konnte. Diese Kiese werden abgebaut, um z.B. Baumaterial für Beton zu gewinnen.
Dabei entstehen große Seen (Achtung: keine Badeseen! Das Schwimmen in Kiesteichen ist lebensgefährlich!), die wichtige Lebensräume für Wasservögel darstellen.
In Hohenrode wurden Teile dieser Kiesabbaulandschaft renaturiert und durch einen Beobachtungsposten zugänglich gemacht.


„Ein Scharte ausgewetzt?“

Sie finden an den Torhäusern von Burgen und Klöstern und Portalen und Seiteneingängen unserer Kirchen: Wetzrillen - senkrechte, zum Teil recht tiefe Kerben im Gestein.
Zu ihrer Entstehung gibt es einige Theorien: man habe vor dem Betreten seine Schwerter dort stumpf gemacht - oder vor einer Schlacht erst recht scharf.
Im Falle von Kirchen und Klöstern habe man das Gesteinspulver stellvertretend für Gottes Segen mitgenommen.
Am wahrscheinlichsten ist eine symbolische Handlung, welche sich bis heute in einem Sprichwort wiederfindet, wenn zwei Personen „in dieselbe Kerbe schlagen“.
Die Abbildung rechts stammt vom Torhaus des Klosters Loccum, aber z.B. auch am Torhaus der Schaumburg lassen sich Wetzrillen finden.

 


Weisen massive Fundamente auf das ehemalige Kloster Bischopingerode?

Im Jahre 2022 wird Stadthagen seine 800-Jahr-Feier begehen.
Für die frühe Gründungsgeschichte der Stadt könnte auch das ehemalige Kloster Bischopingerode eine Rolle spielen.
Während viele Autoren die Anlage südlich des Schäferhofes bei Probsthagen vermuten, verortet Anna Masuch die Anlage in ihrer Doktorarbeit von 1975 auf dem Gelände der heutigen St. Martini-Kirche.
Neben den Baulichkeiten der Kirche selbst sprechen auch Gebäudereste im Umfeld der Kirche für diese Deutung.
Den Keller des 1969 abgebrochenen Alten Rathauses (an dieser Stelle steht heute ein Supermarkt) trug ebenso ein Gewölbe mit Steinpfeilern, wie das Haus Obernstraße 56 (und auch das 1962 abgebrochene Maria-Anna-Stift soll im Keller ein Kreuztonnengewölbe besessen haben).
An dessen Außenseite, am Durchgang zwischen Kirchhof und Obernstraße, zeigen sich drei ungewöhnlich mächtige steinerne Maueransätze, und vielleicht reichte der Steinbau ursprünglich höher hinauf, als es der heutige Steinkeller tut.
Weitere Zeugnisse der Klosteranlage könnten sich an der westlichen Wand der Oberpfarre und am Wohnhaus am Maria-Anna-Stift, welches man am besten vom Parkplatz / Schulhof aus studiert, verbergen.
Eine kleine Sensation stellten übrigens die Sargreste dar, welche Dr. Berthold, seinerzeit Kommunalarchäologe in Schaumburg, bei einer Grabung im Umfeld der Kirche entdecken konnte.
Sie wurden am Ende des 13. und im 14. Jahrhundert angefertigt

 

 

 

 

 

 


Das große Krabbeln - heute eine Seltenheit

Die meisten Ameisen gehen unscheinbar ihre Wege und verbergen sich im Boden.
Eine Ausnahme bildet die Rote Waldameise, welche auffällige und zum Teil beachtliche Haufen aufschichtet.
Heute sind diese nur noch sehr selten zu finden, zum Beispiel im Bückeberg.
Man folgt dem Schaumburger Weg in den Wald durch die S-Kurve hindurch, vorbei an der Halde des Stadtweg-Stollens.
Kurz danach zweigt der Weg ab, welcher auf den Arbeitslosenweg trifft, welcher bei Brandshof beginnt.
Rechter Hand, kurz hinter der Abzweigung, sind die Haufen zu finden.


Grabsteine - Monumente des kleinen Mannes

Grabsteine erzählen vieles über ihre Toten - und auch das eine oder andere über die Lebenden.
Während heutzutage „exotische“ Gesteinsarten Verwendung finden, wurden die Grabsteine in früheren Jahrhunderten aufwendig ornamental gestaltet und zum Teil mit langen Inschriften versehen.
Im Barock beispielsweise waren Engelsköpfe und -figuren beliebt, sie auf dem linken Grabstein zu sehen.
Er mag allerdings nicht so recht zur Inschrift darunter passen, denn das Sterbedatum von Louise Reischauer verweist eher auf den Klassizismus.
Des Rätsels Lösung findet sich auf der Rückseite, da sich der Grabstein als derjenige der nur 8-jährigen Anna Margareta Telgmans entpuppt (interessanterweise ist das Alter des Kindes angegeben, das Sterbejahr aber als eine Art Bosse stehen geblieben und nicht ausgemeißelt).
Aus hier nicht näher bekannten Gründen wurde dieser Grabstein also ein zweites Mal verwendet und dabei die beschriftete (?) Vorderseite ausgeschlagen, um die neue Inschrift anzubringen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


© Sven-Olav Benkhardt

   

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